Österreich

Abenteuer Wellness. Von Blue Box, Floating und tibetischen Klangschalen

  

Eine Woche Urlaub in einem Wellnesshotel im Pinzgau, gewonnen bei einem Preisausschreiben. Für mich eine Herausforderung und ein Abenteuer. Und so beschließe ich mutig, drei der angebotenen Entspannungsmethoden zu testen, die für mich am exotischsten klingen.

 

Der Spa-Bereich

 

Mit dem Fahrstuhl fahre ich ins Kellergeschoss – und bin in einer anderen Welt. Vorbei am Schwimmbad führt mich der Weg zu einem riesigen Raum mit Rezeption und (Gesundheits-) Bar, mit gemütlichen Sesseln und Vitrinen voller Beauty-Produkte. Hinter dem PC sitzt ein Engel in Weiß. Mit sanfter Stimme und einem freundlichen Lächeln auf den Lippen fragt er nach meinem Begehr …

 

Um mich herum schweben derweil lautlos andere Lichtgestalten und verschwinden dann und wann hinter einer der vielen geheimnisvollen Türen.

 

Die Parallelwelt in der ich hier gelandet bin heißt "Spa-Bereich". Das Wort "Spa" leitet sich vom belgischen Badeort Spa ab (habe ich irgendwo gelesen) und wird in Hotels gerne für den Wellness-Bereich benutzt. Mir kommt in der Tat alles hier etwas Spa-nisch vor: in jedem indischen Tempel weiß ich, wie ich mich zu benehmen habe, und was ich bei Bärenbesuch auf einem kanadischen Campground zu tun habe, das ist mir auch bekannt.

In dieser Umgebung jedoch fühle ich mich total fremd und hilflos in meinem Hotelbademantel, der zwei Nummern zu klein ist und in den Hotel-Frotteelatschen, die zwei Nummern zu groß sind. Mindestens.

 

Aber: alles wird gut! Mein weißer Engel nimmt mich an die Hand und führt mich unter leisen Erklärungen hinter die erste Tür …   

 

 

Erstes Abenteuer: Floating

 

In einem anderen Leben wäre ich wahrscheinlich ein gutes Sol-Ei geworden. Im Dämmerlicht liege ich in einer riesigen Badewanne und dümpele wie ein Korken auf dem etwa 36 Grad warmen Wasser. 26% Salzgehalt hat es – und ich damit keine Chance, unterzugehen. Selbst dann nicht, wenn ich einschlafe.

 

Daran ist jedoch erst einmal nicht zu denken, denn Entspannen ist gar nicht so einfach! Und so plansche ich denn etwas herum und probiere die verschiedenen in der Wanne angebrachten Knöpfe aus: blaues Unterwasserlicht, blaues Licht an der Decke und Entspannungsmusik. Knopf Nummer Vier ist der Panic Button, der bei Betätigung die weißen Engel alarmiert, sich sofort nach dem Befinden ihres eingeschlossenen Schützlings zu erkundigen.

 

Ich beschließe, diesen Knopf nicht zu benötigen und widme mich meiner eigentlichen Aufgabe in diesem Floatarium: völlig losgelöst in einer unendlichen Schwerelosigkeit zu treiben und dabei eine einzigartige Tiefenentspannung zu erleben ...

 

Nach einer halben Stunde sinkt langsam der Wasserspiegel, und erste Körperteile berühren den Wannenboden. Ein Zeichen, dass die Floating-Zeit um ist und ich mir jetzt die ganze Sole abduschen darf.

 

Vor der Tür empfängt mich wieder einer der schwebenden Engel. In meinen immer noch viel zu großen Latschen schlurfe ich hinter ihm her und werde in den nächsten Raum zur "Einbalsamierung" geführt. Hilfe! Wo bin ich denn hier gelandet? In Sekundenbruchteilen schießt mir alles durch den Kopf, was ich je über die Bräuche im alten Ägypten gehört habe.

 

Aber ich muss mir keine Sorgen machen, denn die "Einbalsamierung" entpuppt sich als der österreichische Begriff für eine Ganzkörpermassage mit Balsamöl. Da bin ich ja wohl gerade noch einmal davongekommen, und so genieße ich das Öl, hat doch das Salzwasser meine Haut ganz schön ausgetrocknet. 

 

 

Zweites Abenteuer: Klangmassage nach Peter Hess

 

"Wie gut, dass mich jetzt niemand sieht!" schießt es mir durch den Kopf. In bequemer Kleidung liege ich auf dem Bauch, während zwischen meinen Schulterblättern und auf dem Po je eine Bronzeschale steht. Bei geschlossenen Augen spüre ich, wie sich Therapeutin Karin sanft um mich herum bewegt und ab und zu mit einem Klöppel eine der Schalen zum Klingen und Schwingen bringt.

 

Sinn dieser Arbeit mit dem traditionellen Küchengeschirr aus Tibet soll laut Prospekt wieder eine "Tiefenentspannung als gute Basis für die Stärkung der Selbstheilungskräfte" sein. Kann ja nicht schaden.

 

Vor der Behandlung hat mir Karin eine kleine Einführung gegeben:

der Pädagoge und Dipl. Ing. Peter Hess erkannte bei seinen vielen Reisen in den Himalaya die große Bedeutung der Klänge im traditionellen Heilwesen und entwickelte in den 1980er Jahren die Klangmassage. Mittlerweile sind tibetische Klangschalen in der westlichen Esoterik-Szene sehr verbreitet. Sie werden zur Meditation benutzt, zur Klangtherapie und eben zur Klangmassage.

Ich höre sanfte und harmonische Klänge und gelange ziemlich bald in eine tiefe Entspannung. Die rhythmischen Klangschwingungen übertragen sich auf meinen Körper und erzeugen eine feine Vibration, die ich als eine Art Massage empfinde.

Karin und ich waren uns von Anfang an ausgesprochen sympathisch, und während der Klangmassage entsteht nun eine ganz besondere Atmosphäre von Sicherheit und Geborgenheit. In dieser Atmosphäre ist es möglich loszulassen – loszulassen von Stress und Ängsten, Sorgen und Zweifeln.

 

Und so liege ich da. Eine halbe Stunde auf dem Bauch. Eine halbe Stunde auf dem Rücken. Ich höre und fühle und bin irgendwie ganz tief in mir …

 

Mit dem zarten Anschlagen einer Tingsha (tibetische Zimbel) und mit leiser Musik holt mich Karin langsam zurück ins Hier und Jetzt. Ich fühle mich rundherum wohl, bin aber noch nicht bereit, den Raum zu verlassen. Karin spürt das, und während wir auf der Bodenmatte sitzen und noch einen Tee zusammen trinken, unterhalten wir uns über das, was ich gerade erlebt habe ... 

 

 

Drittes Abenteuer: Blue Box

 

Ein elliptischer Raum. Schalldicht. Blauer Boden. Blaue Wände. Blaue Decke. Mittendrin zwei sogenannte Alphaliegen aus Fiberglas, von innen beleuchtet. Auch blau.

 

Eigentlich war ja auch John angemeldet, um mit mir diese "Relax-Innovation für die nächste Wellness-Generation" zu genießen. Nachdem er jedoch hörte, er müsse dazu erst einmal in Bademantel und Frotteeschlappen durchs halbe Hotel laufen, war er sich sicher, er könne auf dem Golfplatz viel besser entspannen und überließ mich damit meinem Schicksal …

 

In der empfohlenen Badekleidung schwinge ich mich also auf die linke Liege und harre der Dinge, die da kommen sollen. Die Liege soll erst einmal in Eigenresonanz schwingen. Das bedeutet, dass mein Atem sie in eine leichte Wiege-Bewegung versetzen soll. Soll … soll … soll … weder mein Atem noch die Liege spielen da mit; vielleicht bin ich ja einfach zu schwer für dieses High Tech Gerät?

Durch die Schwingung der Liege sollen dann Klangwellen entstehen, die den Körper durchströmen, ähnlich wie bei den tibetischen Klangschalen.

Ich spüre nichts, obwohl ab und zu ein leichtes Vibrieren durch die Liege geht. Angeberin! Jeder alte Massagesessel kann das besser!

 

Die blaue Liege und ich mögen uns von Anfang an nicht, und sie lässt es mich spüren: sie schaltet einen ihrer eingebauten Lautsprecher einfach ab. Wie soll ich da entspannen, wenn ich die beruhigenden Töne nur auf dem rechten Ohr höre?

 

Ein paar Mal sehe ich auf meine Uhr (auch nicht gerade ein Zeichen von Entspannung!), denn irgendwie tut sich nicht viel. So bin ich froh, als die 25 Minuten endlich vorbei sind, und ich mich von der Liege erheben darf. Jetzt allerdings will mich das launische Ding nicht loslassen: meine nackten Arme und Beine kleben an der blauen Diva fest …

Später lese ich in der Beschreibung dieses multi-sensorischen Instruments nach und erfahre, was ich eigentlich hätte erleben sollen:

"Der Atem des Menschen bewegt, feine Schwingungen massieren, dreidimensionale Klangwolken hüllen ein und sanfte Wärme löst Anspannungen …"

 

Beate an Liege: "Hallo, das ist dir bei mir aber gründlich misslungen!" 

 

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