Deutschland

Köln:

"Ene Besuch im Zoo" oder Von Tieren und Menschen

 

 

"Nä wat is dat schön" sang einst Willy Millowitsch über einen Besuch im Kölner Zoo. Während ich mir also "Kamele, Elefante und Aaape" ansehe, treten nach und nach aber vor allem die anderen Zoobesucher in den Fokus meiner Aufmerksamkeit. 

 

     

     Als erster fällt mir der ältere Herr Schlaumeier mit der karierten Schiebermütze auf. An einer Hand die Gattin, in der anderen den Zooplan, auf den er ab und zu heimlich schaut. Er hastet an einem Gehege vorbei, in dem auf Anhieb kein Tier zu erblicken ist und erklärt seiner Angetrauten wichtigtuerisch: "Das ist ein Ameisenbär!"

 

 

 


           

      Die Oma, die mit ihrem Enkel lange vor der Glasscheibe eines Geheges sitzt und einen frisch geschlüpften Brillenkauz bewundert … es müssen nicht immer die großen Tiere sein.


     

      Die dickliche und resolute Seniorin, die mit einem Teleobjektiv von schätzungsweise einem Meter Länge am Gepardengehege steht und hofft, dass das im Gras liegende Tier ihr bald mehr als nur seine Rückseite zeigen wird. Ihr Gatte, den sie samt dem riesigen Fotokoffer auf einer Bank in der Nähe geparkt hat, wartet derweil geduldig und vertreibt sich die Zeit mit Daddeln auf seinem Smartphone.

  

 

 

 


      

      Der Vater, der beim Anblick der winzigen Blässhuhnküken unbedingt lautstark und gleich zweimal die Geschichte loswerden muss, wie seine kleine Tochter ein Küken aus dem eigenen Teich beim Streicheln so heftig würgte, dass er das Tier wiederbeleben musste.


        

      Die Mutter, die ihre geistig und körperlich behinderte und in einem Rollstuhl sitzende etwa neunjährige Tochter mit heftigsten Vorwürfen und permanent zuschwallt, während sie sie mit irgendeinem Brei füttert. Von "sieh mich an, wenn ich dich füttere" bis zu "alle sind hier interessiert an den Tieren, außer dir" reicht dabei ihr Repertoire.

 


      

      Die große Kindergartengruppe, die in gelbe Signalfarbenwesten und bunte Kopfbedeckungen gekleidet mir immer wieder über den Weg läuft und sich höchst interessiert die Tiere ansieht; erst nach etwa vier Stunden machen die ersten schlapp.


      

      Die Asiatin, die mit Handy und Selfiestick ausgerüstet schätzungsweise Hunderte von Tierfotos macht, alle im Hochformat. Und wenn gerade mal kein Tier in der Nähe ist, lichtet sie auch schon mal ihren kleinen Sohn und den Ehemann ab. 


      

     Die beiden Teenager mit türkischen Wurzeln. Bewaffnet mit einem Fragebogen sind sie unterwegs im Zoo und müssen arbeiten. Ihre momentane Aufgabe ist offenbar, ein Okapi zu beschreiben, das sich leider irgendwo in dem zugewachsenen Gehege versteckt. Clever wie die beiden Jungs jedoch sind, ziehen sie einfach das Foto auf der Infotafel zu Rate.    

 

 


Last not least: der Künstler aus dem Volk der Shona, der bei den zum Verkauf angebotenen Menschen- und Tierskulpturen aus Serpentinstein Wache hält. Ich laufe durch die Ausstellung, bewundere und fotografiere das zimbabwische Kunsthandwerk und lausche der schönen afrikanischen Musik, die aus einem kleinen Lautsprecher dringt, aber der Meister hebt nicht einmal den Blick. Tippt nur auf seinem Handy herum und ist in Gedanken wohl ganz weit weg in seiner Heimat. 

Selbst ein erneuter Besuch nach etwa vier Stunden Zoorundgang zeigt kein anderes Bild. Keinerlei Blickkontakt oder Interesse; dieser schwarze Mann lebt noch immer in seiner eigenen Welt. Schade, ich hätte gerne mit ihm geredet und eines der Werke gekauft …


 

 

 

 

Es waren für mich einige höchst interessante und lehrreiche Stunden im Zoo.

In dem diesmal die Menschen die größten Exoten waren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nachbemerkung:

hiermit erkläre ich, dass keine einzige der geschilderten Personen und/oder ihr Verhalten erfunden ist. 

 

© 2016